Diese Griechen waren oberflächlich – aus Tiefe!
Friedrich Nietzsche
Das Schöne hat allerorts Konjunktur. Gegenstand der Lehrveranstaltung soll die neue Konzeption von Schönheit in der Kunst sein. Anhand exemplarischer Werke mit dem Fokus auf Gegenwartskunst werden die veränderten Wahrnehmungsweisen und Vorstellungen von Schönheit deutlich. Nach den in den letzten Jahren erschienenen Publikationen und Ausstellungen scheint das Schöne in der Kunst „Die nicht mehr schönen Künste“ (Hans R. Jauß, 1968) abzulösen, welche im späten 20. Jahrhundert u.a. als Art Brut, Abject Art und vor Ort als Wiener Aktionismus aufgetreten sind. Sind mit dem Schönen, Angenehmen und Harmonischen, der Renaissance des Dekors, dem Ornamentalen und dem Malerischen auch Subversionen, der kulturelle und gesellschaftliche Widerstand in Form historisch gewordener Tabubrüche zu Grabe getragen?
So werden wir uns mit Ästhetizismus (kunsthistorisches Beispiel: Ives Klein), Lifestyle, Luxus und Glamour (z.B. Silvie Fleury), hedonistischen Konzepten (Swetlana Heger & Plamen Dejanoff: Quite Normal Luxury) wie dem omnipräsenten Label der heilversprechenden Ganzheitlichkeit (Wellness) beschäftigen. Wir könnten Pipilotti Rists Deckendekoration in Jean Nouvels neuem Wiener Hotel untersuchen, das rehabilitierte Phänomen Kitsch sowie das antiidealistische Schönheitsideal der Konvulsivität des nun gerade wiederentdeckten Surrealismus. Wie bereits im vorausgehenden Seminar „Natur und/oder Kunst“ werden wir uns wieder mit dem romantischen Naturbegriff auseinandersetzen, ist dieser künstlerisch verbraucht oder gibt es einen historischen Rest in der Frage nach dem Kunst- und Naturschönen (so z.B. bei Gerhard Richter, Olafur Eliasson). Wir werden auch der Frage nachgehen, wie sich im zeitgenössischen Schönen Ambiguität und Ambivalenz ausmachen lassen, ob in einer Strategie der Hyperaffirmation (Jeff Koons: Made in Heaven), in einer offensichtlich ironischen Doppeldeutigkeit oder nur noch für den Szeneinsider reservierten Mehrdeutigkeit. Dies genüge hier als Programmauschnitt und als Arbeitsvorschlag des vielschichtigen Seminars.
Anlässlich des Seminarthemas wird Johannes Meinhardt, Kunstkritiker und Kunsthistoriker (D), einen Abendvortrag für alle Hörer halten. (Termin wird angeschlagen)
Teilnahmevoraussetzungen: Nachweis über den positiven Abschluss von zwei Proseminaren und einer Vorlesung in Kunst- oder Kulturgeschichte
Ein Seminarapparat mit Grundlagenliteratur befindet sich im Lesesaal. Zur weiterhin problematischen Aktualität des Ästhetischen: Stichwort Schön/Schönheit, in: Karl Heinz Barck: Ästhetische Grundbegriffe. Bd. 5, Stuttgart 2003.
