Ausgangspunkt des Seminars ist das Paradigma der Kulturwissenschaft, dass die Welt nur medial vermittelt erkennbar ist. Die bildende Kunst ist Teil eines Zeichensystems, das Bedeutung produziert, 'Wirklichkeit' erst herstellt.
Holländische Malerei galt und gilt mitunter noch immer als eine Kunst, deren Ziel die möglichst getreue Abbildung natürlicher oder gesellschaftlicher Wirklichkeit und die Beschreibung optischer Phänomene ist. Das semantische Potenzial von Bildern ausgerechnet an dieser scheinbar so mimetischen Kunst zu demonstrieren, ist somit von besonderer Brisanz. Wir werden uns mit unterschiedlichen thematischen Feldern befassen wie dem Verhältnis des Menschen zur Natur (Landschaftsmalerei), zu den Dingen (Stillleben, Trompe l'oeil), zur Auffassung des Individuums, des Künstlers, der Gemeinschaft (Porträt, Selbstporträt, Gruppenbild) u.a. Untersucht werden soll wie mit Mitteln der Sichtbarkeit – der Malerei – Unsichtbares sichtbar gemacht wird. Ziel des Seminars ist nicht lediglich eine profunde Kenntnis holländischer Malerei, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der Theorie der Repräsentation und somit Erkenntnisse über grundlegende Funktionen von Kunst und die Fähigkeit über ein close reading die Bedeutung von Bildern verstehen zu lernen.
Teilnahmevoraussetzungen: Nachweis über den positiven Abschluss von zwei Proseminaren und einer Vorlesung in Kunst- oder Kulturgeschichte
