Gemütlich bin ich selber.
Karl Kraus
„Warum gibt es Gardinen an Fenstern im 13. Stock?“ fragt Gert Selle in der kulturhistorischen Studie „Die eigenen vier Wände“. Der Gegenstand des Seminars, kurz gefasst umschrieben mit „Kunst und Wohnen“, oszilliert zwischen Gemütlichkeit und Unheimlichkeit, Apotheose und Kritik der Moderne. „Just What Is It That Makes Today’s Homes so Different, So Appealing“ nannte Richard Hamilton seine programmatische Pop Art Collage , in Anna und Bernhard Blumes Fotoarbeit „Trautes Heim“ shiftet das Wohnzimmer in ein Wahnzimmer. Guillaume Bijls „Fami Home“ ein simuliertes Objet trouvé zeigt einen gleichsam zum goldenen Elend erstarrten Haustraum. „Ein Haus für Schweine und Menschen“, ein Projekt von Carsten Höller und Rosemarie Trockel thematisierte auf der documenta X das entfremdete Verhältnis von Mensch und Tier. Um noch ein paar Beispiele des vielschichtigen Seminars hier zu nennen: Gregor Schneiders „Totes Haus Ur“, „Die Toilette“ Ilya Kabakovs und hier neu aufgerollt der Merzbau Kurt Schwitters. Konstruktion von (Wahrnehmungs-)Atmosphäre ist der Missing Link. Zwischen Kunst und Interieur-Design positioniert: Arbeiten von Thomas Rehberger, das Haus Jorge Pardos als Skulptur und Ausstellung, Claes Oldenburgs „Bedroom Ensemble“, als auch Erwin Wurms perspektivisch zurechtgerückte „Narrow House“ auf der diesjährigen Biennale. Sylvie Fleury setzt Luxus und Heimeligkeit der Oberfläche affirmativ ein. René Greens transkulturelle Räume ... . Dies genüge als Programmausschnitt, wie immer sind dies Vorschläge, ergänzt und korrigiert von den TeilnehmerInnen in den ersten Sitzungen.
Kurzweilige Einführung (ohne Text): Martin Kippenbergers Künstlerbuch: Vergessene Einrichtungsprobleme in der Villa Hügel (Villa Merkel). Ostfildern-Ruiz 1996. Für den historisch an der Wohnsucht (Benjamin) des späten 19. Jahrhunderts interessierten: Felix Krämer: Das unheimliche Heim. Zur Interieurmalerei um 1900. Köln 2007. Auf Freuds Essay „Das Unheimliche“ (Imago 12) sei hier verwiesen. Dass das Thema nach den thematischen Ausstellungen in Hamburg (1997), Stuttgart (2001), Wolfsburg (2009), virulent ist, zeigt das unsere Blickrichtung auf das Thema verändernde Ausstellungsprojekt „The Surreal House“ (London 2001). Diese und weitere Literatur zum Seminarthema befindet sich im umfangreichen Handapparat (Lesesaal, Neubau).
Teilnahmevoraussetzungen: Nachweis über den positiven Abschluss von zwei Proseminaren und einer Vorlesung in Kunst- oder Kulturgeschichte
