Textilien gelten als ideales cross over medium, das in der Kunst Gattungshierarchien, Geschlechterkonstruktionen und kulturelle Grenzziehungen zu irritieren vermag. Wie kaum ein anderes Material sind sie körpernahe Erinnerungsträger, Spuren von Menschen, die gängige Körperbilder kommentieren, befragen, aber auch unterwandern können. Postkoloniale Künstler/innen nutzen textiles Material, um in die von kolonialen Sichtweisen noch fest durchdrungene Bildkultur zu intervenieren, selbstbestimmte Repräsentationen ihrer Erfahrungen sowie sozial-politische und ökonomische Prozesse der Globalisierung zu reflektieren. Bereits in den 1970er Jahren forderte Faith Ringgold mit ihren Stickbildern zur afro-amerikanischen Diaspora den kunsthistorischen Kanon gleich mehrfach heraus. Gelten textile Techniken als Kunst? Können Künstlerinnen der afro-amerikanischen Diaspora am Geniekult des Künstlersubjekts teilhaben? Was bedeutet dies für das Selbstverständnis einer eurozentrischen Kunstkritik? Solche und ähnliche Fragen sollen an ausgesuchten Beispielen aus der Kunst diskutiert werden.
Textil – Kunst & Postkolonialismus (Analyse künstlerischer Produktion)
LV-Nummer:
S00122
LV-Typ:
Proseminar
Lehrbeauftragte:
Birgit Haehnel
Wochenstunden:
2
Lehrinhalt:
Prüfungsmodus:
mündliche und schriftliche Arbeit (Abgabe bis 15. März 2012) 