Die Kunst als ‚politischer Soldat‘

Josef JAKOPITSCH (1914-1945), Gebiets und Obergau Sportfest der Hitlerjugend, 1941, Inst. Kunstsammlung & Archiv, IN 17.332/1/PlJosef JAKOPITSCH (1914-1945), Gebiets und Obergau Sportfest der Hitlerjugend, 1941, Inst. Kunstsammlung & Archiv, IN 17.332/1/PlDie Angewandte 1934 – 1938 – 1945 am Beispiel der Fachklasse für Gebrauchs-, Illustrations- und Modegraphik unter der Leitung von Paul Kirnig

Im Rahmen der Lehrveranstaltung Kunst und Reform. 150 Jahre Angewandte von Mag.Dr. Bernadette Reinhold Sen. Sc.

Werkstattbericht von Konstantin Ferihumer, MA
Inst. Kunstsammlung & Archiv, Postgasse 6, Mezzanin
Montag, 11. Dezember 2017, 13:30 bis 15:15 Uhr

!Beschränkte Teilnehmer/innen-Anzahl – Anmeldung unbedingt erforderlich!
Kontakt: bernadette.reinhold@uni-ak.ac.at

Mit der Etablierung des „Ständestaats“ wird Bertold Löffler (1874-1960), der langjährige Leiter der Klasse für Gebrauchsgrafik wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus seines Amtes enthoben. Sein Assistent Paul Kirnig (1891-1955) übernimmt die Klasse und führt sie bis zu seiner gesundheitsbedingten Pensionierung 1953.
Konstantin Ferihumer, Politikwissenschaftler, forscht und publiziert zum Nationalsozialismus und zur Österreichischen Nachkriegsjustiz, arbeitet als Provenienzforscher an der Akademie der bildendenden Künste Wien, und ist als Mitarbeiter am Inst. Kunstsammlung & Archiv bis Ende 2017 im Rahmen des Projektes „Paul Kirnig und die Fachklasse für Gebrauchs-, Illustrations- und Modegraphik“ beschäftigt. Dabei hat er umfangreiche Plakat- und Grafikbestände, u.a. der NS-Zeit bearbeitet und beforscht. Anhand ausgewählter Beispiele aus der Fachklasse Paul Kirnigs spricht er über die politischen und künstlerischen Brüche und Kontinuitäten der Vorgängerinstitutionen der heutigen Angewandten im historischen-politischen Kontext zwischen 1934 und 1945. Galt zunächst das Diktat von „Gottesglaube und Vaterlandsliebe“ (1934-38), so wurde die Klasse für Gebrauchsgrafik bald darauf als Instrument der NS-Propaganda eingesetzt. Nur wenige Wochen nach der Befreiung Wiens, im Mai 1945, beteiligte sich Kirnig mit seinen SchülerInnen maßgeblich an den Vorbereitungen der „Antifaschistischen Ausstellung ‚Niemals vergessen!‘“. Kunst im Spannungsfeld zwischen politischer Überzeugung, Opportunismus und Überlebensnotwendigkeit.