MAßLOS GROßE GESTEN!

Die interdisziplinäre Vortragsreihe "KUNST - FORSCHUNG - GESCHLECHT" trägt im Studienjahr 2017/18 den Titel "Maßlos große Gesten!"

In der Vortragsreihe wird das Überschreiten von Angemessenheit in Formen der Rede, im Gestischen, in Handlungsweisen der performativen Künste oder im Bereich von queer-feministischen Protestformen und den damit einhergehenden fantastisch-provokanten Manifesten in den Blick genommen. Nachgedacht wird über große Gesten, die das Maßlose am Geschlechterverhältnis selbst hervorkehren: Auf unterschiedlichen Ebenen werden die einzelnen Beiträge herausarbeiten, wie riskante geschlechterkritische, exzentrische und exzessive Setzungen die Unangemessenheit einer herrschenden Ordnung zum Vorschein bringen und stören, wie bestehende Asymmetrien im Sozialen etwa durch Überdehnung, Verkehrung oder Zuspitzung sichtbar gemacht werden können. Weiters wird danach gefragt, wie einer allfälligen Bagatellisierung dieser Strategien als Provokation begegnet, inwiefern einer Aneignung von Heroismus auch kritisch entgegnet werden könnte.

Julia Ostwald:
Ida Rubinsteins ex-zentrische Gesten der Verführung

Mittwoch, 11. Oktober 2017
18:00 - 20:00 Uhr
Seminarraum 8
(Oskar Kokoschka-Platz 2, Ferstel Trakt, 1.Stock)

Ida Rubinstein (1885–1960), die zunächst als Darstellerin bei Diaghilews Ballets Russes im Paris des frühen 20. Jahrhunderts Berühmtheit erlangte, scheint heute gerade wegen ihrer Maßlosigkeit nahezu in Vergessenheit geraten zu sein. In Ihrem Vortrag wird Julia Ostwald die Überschreitungen von kulturell determinierten – genauer: religiösen, nationalen, genderspezifischen sowie ästhetischen – Grenzen, die Rubinsteins Leben wie künstlerisches Schaffen prägten, als maßlos im Sinne einer Ex-zentrik ("außerhalb der Mitte") agierend, herausarbeiten.

Julia Ostwald
hat Tanzpädagogik (Tilburg, NL) und –wissenschaft (FU, Berlin) studiert und langjährig als Tanzvermittlerin gearbeitet. Zur Zeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Doktoratskollegs geschlecht_transkulturell sowie am Fachbereich Tanzwissenschaft an der Universität Salzburg, wo sie über die Stimme im Tanz promoviert.

http://www.dieangewandte.at/gender/ostwald
https://www.facebook.com/events/509279699432434

 

Aviso // Nächste Vorträge

Mittwoch, 8. November 2017
Helena Vilalta:
Erotics of Information: Lee Lozano and the Networked Body
This lecture unpacks the contradictory push towards withdrawal and connectivity in Lee Lozano’s late 1960s practice, asking what her complex engagement with embodiment has to tell us about our contemporary condition.
Seminarraum 8

Mittwoch, 22. November 2017
Laura Guy:
Scummy Scores: Solanas unsettled, 1967 - infinity
How might a history of art told through Valerie Solanas’s SCUM Manifesto allow us to think of the role of lesbian feminism in the production of queer visual culture? The infamous polemic in which Solanas outlined a program to do away with the male sex and eventually the whole of the human race, is a difficult text to locate in the accounts of liberatory politics. Considering the ways that artists have often returned to SCUM, this talk will explore how the manifesto continues to present a productively unsettling force for feminist art.  
Seminarraum 8

Mittwoch, 10. Jänner 2018
Luzenir Caixeta:
Fressen und Lachen – Anthropophagie als Strategie
Das selbstorganisierte Projekt maiz bezieht sich in der theoretischen Grundlegung seiner politischen Praxis, seiner mehrsprachigen antirassistischen Beratungs-, Bildungs-, und Forschungsarbeit immer wieder auf Oswald Andrades Manifesto Antropófago aus dem Jahr 1928. Luzenir Caixeta wird argumentieren, inwieweit die angeeignete Figur der Anthropophagie und eine kritische Praxis des Lachens für eine Reflexion und Veränderung von Herrschaftsverhältnissen – auch im Bereich der Wissensproduktion – nutzbar gemacht werden können.
Seminarraum 8

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Wissenschaftlicher Beirat: Maria Bussmann, Marion Elias, Edith Futscher, Renée Gadsden, Barbara Graf, Kristina Pia Hofer, Doris Löffler, Anna Spohn

Studierende können die Vortragsreihe als Lehrveranstaltung (Lehrveranstaltungsleitung: Edith Futscher) semesterweise absolvieren.