Doing Amateur Film

Soziale und ästhetische Praktiken im österreichischen Amateurfilm der 1920er bis 1980er Jahre

Das zunehmende Interesse von Kultur- und Medienwissenschaften für gegenwärtige sowie historische Amateurfilmproduktionen wird von einer Neuorientierung internationaler sowie österreichischer Filmarchive begleitet, die sich der Sammlung und Konservierung von Amateurfilmen widmen. Amateurfilme besitzen als lebens- und zeitgeschichtliche Dokumente nicht nur historiografisches Potential, sie sind auch als Bestandteil einer visuellen Kultur der Moderne zu verstehen.

Im interdisziplinär konzipierten DOC-Team Projekt „Doing Amateur Film“ sollen die kulturellen Praktiken und ästhetischen Spielarten im österreichischen Amateurfilm von seinem Entstehen in den 1920er Jahren bis zu seiner Marginalisierung durch das aufkommende Videoformat in den 1980er Jahren untersucht werden. Dabei werden insbesondere ambitionierte Amateurfilme aus dem Bestand des Österreichischen Filmmuseums und weiteren internationalen Archivbeständen (wie beispielsweise der Kinothek Asta Nielsen) in den Blick genommen, um das kulturwissenschaftliche und -historische Potential von Amateurfilmen auszuloten und neue Perspektiven auf das Phänomen zu generieren. Das Projekt verfolgt einen praxeologisch-kulturtheoretischen Ansatz und forciert die Verschränkung von Film-, Praxis- und Diskursanalyse, um die im Amateurfilmschaffen prävalierenden Motive, Objekte, Praktiken und Ästhetiken zu eruieren und in Bezug zu technologischen Entwicklungen und normativen Diskursen zu setzen.

Im Zuge des Projekts sollen drei Dissertationen entstehen. Sarah Lauß (Abteilung Kunstgeschichte, Universität für angewandte Kunst Wien) fasst in ihrer kunstwissenschaftlichen Dissertation mit dem Titel „Motivwahl als kulturelle Praxis im österreichischen Amateurfilm der 1920er bis 1980er Jahre“ Amateurfilmschaffen als Praxis kultureller Bedeutungsproduktion mit spezifisch inhaltlichen wie formalen Gestaltungsmerkmalen und fokussiert auf die Untersuchung von Motiven und Bildtypen. Ihre beiden Kolleginnen sind Sandra Ladwig (Abteilung Medientheorie, Universität für angewandte Kunst Wien) und Michaela Scharf (Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft). Sandra Ladwig unternimmt in ihrer filmwissenschaftlichen Dissertation mit dem Titel „Freizeit als Phänomen der Moderne im österreichischen Amateurfilm der 1920er bis 1980er Jahre“ den Versuch, Amateurfilmpraxis als spezifische Freizeitaktivität zu fassen und die Praktiken der Freizeitgestaltung in den Amateurfilmen in Bezug zu ihrer zeitlichen Strukturierung zu setzen. In der kulturhistorischen Dissertation von Michaela Scharf zum Thema „Praktiken der Subjektivierung im österreichischen Amateurfilm der 1920er bis 1980er Jahre“ werden verschiedene Modi der Selbstdarstellung sowie deren Veränderung im Zeitverlauf in den Blick genommen.

Projektförderung: Österreichische Akademie der Wissenschaften (DOC-Team)
Projektlaufzeit: 36 Monate (1. Oktober 2016 – 30. September 2019)
Projektmitarbeiterinnen: Mag. Sandra Ladwig (Abteilung Medientheorie, Universität für angewandte Kunst Wien), MMag. Sarah Lauß (Abteilung Kunstgeschichte, Universität für angewandte Kunst Wien), Mag. Michaela Scharf (Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft)

Alltagsleben, 1933-1938, 9,5mm-Schmalfilmformat © Österreichisches Filmmuseum