Performance

„Zungen-Bekenntnis"

am 1., 3. und 4. Juli 2026 im Rahmen der Ausstellung "When Dust Rises, A Cloud Appears"

Wie lässt sich die immaterielle menschliche Erfahrung von Bewegung im Raum, aber auch in der Zeit artikulieren, in einem endlosen, sich immer wiederholenden Prozess von Migration?

Die Zunge als Trägerin der Sprache und als Organ, das die Erinnerungen dieser Bewegung in Form einer linguellen Struktur im Alltag bewahrt, tritt in den Vordergrund eines Monologs, der sich an eine deutschsprachige Hörer:innenschaft richtet.

Die Zunge, als Ort von Sprache, Lust und Sexualität, wird zu einer räumlichen oder auch anatomischen Metapher, um die nachvollziehbare und zugleich immaterielle Erfahrung zu untersuchen. Was es bedeutet `in der Zunge’ der anderen zu sein? Während Raum und Zeit im ständigen Bewegungszustand einer verstreuenden Migrantin aufeinanderprallen, erweitert sich diese Frage zugleich auch in die Sphäre des Lokalen: Was bedeutet es im Land der anderen zu sein? Im Kontext der diasporischen Identität umfasst dies zugleich auch Fragen der Zugehörigkeit zu mehr als einem Ort oder eben auch zu keinem Ort überhaupt. Sprache ist ein Forschungswerkzeug, um den Staub aus dem Diskurs und aus körperlich-biografischen Erfahrungen zu schütteln, geprägt von Anwesenheit und Abwesenheit von Kulturen und Formulierungen, Erinnerungen und Mahnmalen dessen, was als verloren gilt, und sie in eine Materialität zu überführen, die nicht darum bittet, verstanden zu werden.

Ein Forschungswerkzeug also, das sich um einen Diskurs bewegt, ihm so nahe wie möglich kommt, seine Oberfläche berührt, aber bewusst außerhalb bleibt und dadurch einen opaken Raum erzeugt, der Widersprüche nebeneinander stehen lässt.

Aus dem Inneren heraus zu schreiben, ist die Praxis der Position des Dazwischen, das Wissen der Zunge in Sprache zu überführen, in die limitierte und limitierende Sprache der Anderen, die über die Zunge einer Migrantin fließt. Ein Text, der reibt, fließt, sich vorwärts bewegt und zirkuliert; der experimentiert und versucht, sich blind seinen Weg im Raum der Sprache zu bahnen – einem Raum, den er zugleich zu definieren versucht. Schreiben und Sprechen als Praxis und als Darstellung, die den Text begleitet, Hand in Hand, nah und intim; die beiden strecken sich Seite an Seite aus, eng miteinander verwoben.

Die gewählte Sprache der Performance „Zungen-Bekenntnis” ist Deutsch und es gibt keine englische Übersetzung.

Maryam Shahidifar

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Zungen-Bekenntnis

How can the immaterial human experience of movement in space, but also in time, be articulated, in an endless, ever-repeating process of migration?

The tongue as carrier of language and as an organ that preserves the memories of this movement in the form of a lingual structure in everyday life, steps into the foreground of a monologue addressed to a German-speaking audience.

The tongue, as a site of language, pleasure, and sexuality, becomes a spatial or also anatomical metaphor to examine this experience—both graspable and immaterial at once. What does it mean to be ‘in the tongue’ of the other? While space and time collide in the constant state of movement of a dispersing migrant woman, this question simultaneously expands into the sphere of the local: What does it mean to be in the land of the Other? In the context of diasporic identity, this also includes questions of belonging to more than one place—or to no place at all.

Language is a research tool to shake the dust off discourse and bodily-biographical experiences, shaped by presence and absence of cultures and articulations, memories and memorials of what is considered lost, and to transform them into a materiality that does not ask to be understood.

A research tool that moves around discourse, coming as close as possible to it, touching its surface, yet deliberately remaining outside, thereby creating an opaque space that allows contradictions to exist side by side.

Writing from within is the practice of the position of in-betweenness, of transferring the knowledge of the tongue into language, into the limited and limiting language of the Other, flowing through the tongue of a migrant woman. A text that rubs, flows, moves forward and circulates; that experiments and attempts to blindly find its way within the space of language—a space it simultaneously seeks to define. Writing and speaking as practice and as representation accompanying the text, hand in hand, close and intimate; the two extend side by side, tightly interwoven.

The chosen language of the performance “Zungen-Bekenntnis” is German, and there is no English translation. 

Maryam Shahidifar

Zungen-Bekenntnis von Maryam Shahidifar
Termine:

01. Juli 2026 um 17 Uhr (SE 24)

03. Juli 2026 um 15 Uhr (SE 24)

04. Juli 2026 um 17 Uhr (SE 24)